Mit romantischen Klängen
Sinfoniekonzert zur Spielzeiteröffnung mit Werken von Luigi Cherubini, Frédéric Chopin und Franz Schubert am 24. August 2010, 20.00 Uhr - Stadttheater Gießen - Großes Haus
Die neue Konzertsaison startet mit klassizistischer Leidenschaftlichkeit und frühromantischen Träumereien: Luigi Cherubinis (1760-1848) Ouvertüre zur 1797 uraufgeführten Oper MÉDÉE begeistert durch eine abwechslungsreiche und farbige Instrumentation, wie sie für die Zeit der Klassik ungewöhnlich war.
Im Mittelpunkt der Oper selbst steht Medea, die als liebende Mutter und tödliche Furie zugleich, ihren inneren Zwänge und Seelenkämpfen schonungslos ausgeliefert ist. Cherubini fand für diese von furchtbarer Großartigkeit geprägte Figur die passenden musikalisch-dramatischen Ausdrucksformen. Schon die Ouvertüre lässt dies erkennen, denn in ihr spiegeln sich der ganze Hass Medeas, ihre Rachsucht und auch der tragische Ausgang der Oper wider.
Im Gegensatz dazu besticht Frédéric Chopins (1810-1849) 1. Klavierkonzert e-Moll op. 11 aus dem Jahre 1830 mit einem gleichermaßen virtuosen wie fantasievollen Klavierpart, der freien Raum lässt für die für Chopin typische Eleganz und Empfindsamkeit. Chopin dringt mit diesem Konzert tief in die Sphären der Romantik ein, allein die Romanze des 2. Satzes bezeichnete er als „den Eindruck eines liebevollen Blicks auf eine Stätte machen, die eine Fülle von Erinnerungen wachruft. Sie ist der Traum einer schönen, mondbeglänzten Frühlingsnacht.“ Das ist Chopin, wie man ihn kennt – sehnsüchtig, träumerisch, verführerisch.
Nicht weniger romantisch erklingt schließlich die 5. Sinfonie B-Dur von Franz Schubert (1797-1828), in der der Komponist als Hommage an sein großes Vorbild Wolfgang Amadeus Mozart den Klang der ausgehenden Wiener Klassik mit den harmonischen Raffinessen der beginnenden romantischen Epoche gekonnt miteinander verbindet. „O Mozart, unsterblicher Mozart“, hatte Schubert kurz vor der Komposition dieser Sinfonie 1816 in sein Tagebuch geschrieben, „o wie unendlich viele wohltätige Abdrücke eines lichten bessern Lebens hast du in unseren Seelen geprägt.“ Nachdem Schubert sich in seinen Jugendsinfonien mit vielen musikalischen Strömungen seiner Zeit – von Haydn bis Beethoven – auseinandersetzt hatte, fand er schließlich wieder zu Mozart zurück und fand darin seine ganz eigene Tonsprache begründet. Die 5. Sinfonie ist mit ihrem hellen, schwebenden Klang das beste Zeugnis dafür und wurde schließlich zu einem der beliebtesten Werke des Wiener Meisters.
Karten für das erste Sinfoniekonzert dieser Spielzeit sind an der Theaterkasse (Johannesstraße 1, Telefon 0641 / 7957-60 /-61) oder ab einer Stunde vor Konzertbeginn an der Abendkasse erhältlich.
Philharmonische Orchester Gießen
Musikalische Leitung: Carlos Spierer
Solistin: Olga Scheps – Klavier
Carlos Spierer studierte Dirigieren an der Musikhochschule Hamburg. Gleichzeitig nahm er an verschiedenen Meisterklassen teil, u.a. bei Leonard Bernstein, bei dessen Wettbewerb er 1987 den ersten Platz belegte. Von 1997-2000 war er als künstlerischer Leiter des Gävle Symphonieorchesters in Schweden und von 2003-2005 als Chefdirigent des Orquester Sinfonica de Mineria Mexico-City tätig. Engagements führten ihn u.a. zur Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, der Komischen Oper Berlin, der Frankfurter Oper, dem hr-sinfonieorchester, nach Brüssel, Buenos Aires, New Orleans, Caracas, Houston, Tallin, mit der Uraufführung der Kinderoper PINOCCHIO nach Vicenza (2008) sowie zum NHK Orchester in Tokio. Im ZDF dirigierte er zudem die Sendung „Klassisch”. Auf dem CD-Sektor wartet er mit zahlreichen Einspielungen auf. Die Aufnahme mit Werken des Schweden Oscar Byström wurde vom BBC Music Magazine mit dem Titel „CD des Jahres 1998” ausgezeichnet. Seit 2003 ist er GMD in Gießen.
Die 1986 in Moskau geborene Pianistin Olga Scheps studiert bei Pavel Gililov in Köln. Weitere Studien führten sie zu Arie Vardi und Dmitrij Bashkirov. Wichtige künstlerische Impulse erhält sie immer wieder von Alfred Brendel. Ihre aktive Konzerttätigkeit begann im Alter von 12 Jahren nach Preisen bei „Jugend musiziert“ und einem ersten Preis beim Wettbewerb „Jugend spielt Klassik“. Bald darauf debütierte sie in Düsseldorf mit dem ersten Klavierkonzert von Prokofjew. Olga Scheps war bereits bei zahlreichen renommierten Musikfestivals zu Gast. Im Ausland konzertierte sie bereits in Italien, in den Niederlanden, in Österreich, Dänemark, Asien und in den USA. Im Sommer 2009 war Olga Scheps erneut beim Klavierfestival Ruhr, dem Kissinger Sommer, den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker sowie bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern zu Gast und debütierte außerdem beim Niedersächsischen Staatsorchester Hannover mit Dvorák’s Klavierkonzert op. 33. Im November 2009 gab sie ihr umjubeltes Debüt in der ausverkauften Münchner Philharmonie am Gasteig mit Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 an der Seite der Münchner Symphoniker unter Georg Schmöhe. Zu ihren Kammermusikpartnern gehören Adrian Brendel, Erik Schumann und Andrej Bielow. Ab Sommer 2010 sind außerdem Konzerte zusammen mit dem Cellisten Alban Gerhardt in Planung. Unterstützt wird Olga Scheps von der „Deutschen Stiftung Musikleben“ und der „Studienstiftung des deutschen Volkes“. Olga Scheps ist Exklusivkünstlerin beim Label SONY Music und hat dort im Januar 2010 ihre Debüt-CD mit Werken von F. Chopin vorgelegt.
Foto: Carsten Nadale / pixelio.de

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